Lebensgeschichte der autodidaktischen Designerin Eva Riedl

Eva Riedl war eine Frau, die sich das Entwerfen einzigartiger Modekollektionen selbst beibrachte. Mit Liebe und Hingabe widmete sie sich ihrer Arbeit und wurde dadurch nicht nur in Wien, sondern auch weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt, schreibt viennaka.eu.

Kindheit und Ausbildung

Eva wurde am 3. Februar 1931 in Ottakring geboren. Ihr Vater, Adolf Flassig, arbeitete als Automechaniker, und ihre Mutter kümmerte sich um die Erziehung der einzigen Tochter. Schon in jungen Jahren kam Eva mit der Wiener Moderne in Berührung, die zum Vorbild für ihr zukünftiges Schaffen wurde.

Ihr Großvater, Johann Flassig, war Direktor der Wiener Stadtbahn, und ihre Eltern wohnten in seiner Dienstwohnung im Bahnhofsgebäude, das 1895 nach einem Entwurf von Otto Wagner erbaut worden war. In einem ihrer Interviews erinnerte sich Eva daran, dass jeder Raum 6 Meter hoch war und überall wunderschöne Ornamente zu sehen waren.

Als Eva 4 Jahre alt wurde, beschlossen ihre Eltern, das schauspielerische Talent ihrer Tochter zu fördern. Im Alter von 4 bis 7 Jahren spielte Eva zahlreiche Kinderrollen im Burgtheater in Stücken wie: „Der Biberpelz“, „Peterchens Mondfahrt“ und anderen.

Während ihrer Schulzeit zeigten sich bei Eva Neigungen zur Mathematik und den technischen Wissenschaften, was sie dazu bewog, am Wiener Institut für chemische Industrie zu studieren.

Nach ihrem Hochschulabschluss im Jahr 1954 arbeitete Eva mehrere Jahre in der chemischen Industrie. 1957 heiratete sie den Tierarzt Alois Chalama. Bald darauf bekamen sie zwei Kinder.

Privatleben

Im Jahr 1960 lernte Eva den Wiener Gobelin-Künstler Fritz Riedl kennen. Der Mann hatte seine eigene Werkstatt im dritten Bezirk. Im Sommer 1967 ließ sich Eva von ihrem Mann scheiden. Sie ließ ihre Vergangenheit hinter sich und begleitete Fritz Riedl auf seiner Ausstellungstournee durch die USA und Mexiko, wo er eine Gobelin-Manufaktur eröffnen wollte.

Jedoch musste Eva wegen ihrer Söhne nach einigen Monaten nach Wien zurückkehren. 1968 kam Fritz zu ihr, und sie heirateten, doch die Beziehung war nicht von langer Dauer. Nach seiner Reise nach Mexiko trennte sich das Paar. Eva blieb in Wien und begann, in der pharmazeutischen Industrie zu arbeiten.

1970 lernte sie Heinz Sobota kennen, einen Wiener Kleinkriminellen und Zuhälter. Auch diese Beziehung war zum Scheitern verurteilt.

Karriere als Designerin

Im Jahr 1973 schloss sich Eva dem Designerteam der Wiener Textilkünstlerin Vesna an. In deren neu gegründetem Studio beschäftigte man sich mit Siebdruck, Mode- und Interieurdesign. 1976 machte sie sich selbstständig. Im Alter von 45 Jahren wurde sie professionelle Designerin. Ihr erster großer Auftrag war die Innenausstattung des Hotels „Villa Mozart“ in Meran und des Hotels „König von Ungarn“ in Wien. In diesen Häusern konnte sie ein einzigartiges Design in der Tradition der Wiener Werkstätte umsetzen.

In den folgenden zwei Jahrzehnten schuf Riedl zahlreiche Arbeiten in den verschiedensten Designbereichen. Neben Inneneinrichtungen für Hotels entstanden Konzepte für Privatwohnungen, Möbel und anderes. Später widmete sie sich dem Entwurf von Teppichmustern und Mustern für Dekorstoffe.

1979 eröffnete sie ihr erstes Studio am Spittelberg. Auf ihre Initiative hin wurden die ersten Handwerksmärkte in dem damals noch aufstrebenden Viertel veranstaltet.

Im Jahr 1980 zeigten sich in Riedls Schaffen Einflüsse aus den Kulturen des Fernen Ostens. In dieser Zeit schuf sie die Modekollektionen „NŌ FASHION“ und „East of Fashion“, die auf traditionellen, originalen Schnittmustern japanischer, chinesischer und mongolischer Kleidung basierten. Dazu gehörten auch Damenkimonos.

Darauf folgte die Gestaltung von Taschen, Schuhen, Hüten und Schirmen. Ab 1981 verkaufte Eva ihre Kollektionen in ihrem eigenen Geschäft in der Rotenturmstraße. 1988 erfand Eva Riedl die „Wiener Kunst-Shirts“. Dafür bearbeitete sie Bildmotive aus Museen und druckte sie auf T-Shirts, die damals als „unkultiviert“ galten.

Alle Arbeiten von Eva Riedl zeigen ihre Liebe zur Geometrie, Klarheit und Funktionalität, verbunden mit einer hohen handwerklichen Qualität, um die sie sich selbst kümmerte. Ihre Werke basieren auf präzisen, meist symmetrischen Konstruktionen, die mit Lineal und Zirkel gezeichnet wurden.

Im Januar 1996 verstarb Eva Riedl und hinterließ ein großes gestalterisches Erbe. Alle von ihr herausgebrachten Kollektionen werden im Wien Museum aufbewahrt.

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