Dresscode der Wiener Frauen bei Beerdigungen im 19. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert wurde ein Trauerzug sehr ernst genommen. Alle bei der Zeremonie Anwesenden mussten eine Kleiderordnung befolgen, die sich ständig änderte und etwas extravagant war, schreibt viennaka.eu.

Übliche Trauerkleidung

Die Journalistin Renée Francis schrieb 1889 in der Zeitschrift „Wiener Mode“, dass die gängigste Kleidung für eine Beerdigung Hemden, Korsetts, Strümpfe und sogar Unterröcke umfasste.

Die Sammlung des Wiener Modemuseums, eine der größten in Europa, umfasst einzigartige Gewänder, die am Trauertag getragen wurden: Kleider, Schmuck, Blumen, Hüte und Schleier. Sie wurden ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts getragen.

Es sei darauf hingewiesen, dass schwarze Trauerkleidung erst Anfang des 19. Jahrhunderts populär wurde. Das Tragen der Farbe Schwarz, die den Tod und die Vergänglichkeit des Lebens symbolisiert, begann in Europa bereits im Mittelalter.

Allerdings war Kleidung in dieser Farbe nur für wohlhabende Menschen erschwinglich, da das Färben von Stoffen in Schwarz zeitaufwendig und teuer war.

Trauerkleidung ermöglichte es den Menschen, den Schmerz des Verlustes auszudrücken und gleichzeitig dem Verstorbenen Respekt zu erweisen.

Trauerzüge in aristokratischen und bürgerlichen Familien waren eine kostspielige Angelegenheit. Neben den Kosten für die Beerdigung mussten auch alle Verwandten und Bediensteten angemessen gekleidet sein.

Strenge Kleiderordnung

Die Trauerkleidung musste streng nach den Regeln ausgewählt werden, was insbesondere für Frauen galt. Der Schnitt der Kleider musste streng und ernst sein, dem traurigen Anlass angemessen, aber gleichzeitig eine „feierliche Eleganz“ aufweisen. Die lokale Zeitschrift „Wiener Mode“ veröffentlichte auf ihren Seiten eine Reihe von Ratschlägen zur Auswahl der Kleidung für eine Beerdigung.

Analysiert man jedoch die Informationen in anderen Modezeitschriften des 19. Jahrhunderts, so stellt man fest, dass die Trauerkleider den damaligen Modetrends entsprachen. Was die Materialien betrifft, aus denen sie genäht wurden, so sind matte Wolle und englischer Krepp zu erwähnen. Diese beiden Stoffarten haben ein mattes, gewelltes Gewebe und waren die ideale Wahl für das Nähen von Trauerkleidern.

Die Dauer der Trauerzeit hing vom Verwandtschaftsgrad ab. So musste eine Witwe 1 Jahr und 6 Wochen um ihren Mann trauern, um Eltern und Schwiegereltern – ein Jahr, um Kinder, Großeltern, Brüder und Schwestern – drei Monate.

In der Zeit der tiefen Trauer trugen Witwen lange Kleider, Mäntel, Umhänge und Jacken aus schwarzen Wollstoffen oder englischem Trauerkrepp. Diese Art von Kleidung wurde etwa sechs Monate lang bevorzugt.

Eine wichtige Kopfbedeckung war ein Hut aus englischem Krepp mit einem langen Schleier, der das Gesicht bedeckte. Ergänzt wurde der Trauerlook durch schwarze Handschuhe aus schwedischem Leder.

Was die Accessoires betraf, so musste jede Frau ein Taschentuch mit einem breiten schwarzen Rand und einen Schirm aus matter Seide oder englischem Krepp besitzen.

Bei heißem Wetter war ein schwarzer Fächer aus Straußenfedern, die auf einem Holzrahmen befestigt waren, ein wichtiges Accessoire. Drei Monate nach der Beerdigung durften Frauen schwarze Kleider mit dezentem Muster sowie Filz- oder Strohhüte tragen, die mit Krepp oder Gaze verziert waren.

Sechs Monate nach der Beerdigung war es Frauen gestattet, Kleider in Weiß, Grau oder Violett mit verschiedenen Mustern zu tragen. Wichtig war, dass die Schirme grau und der Fächer weiß mit einem schwarzen Rand war.

Accessoires und Schmuck

Frauen mussten in dieser traurigen Zeit auffälligen, glänzenden Schmuck meiden. Goldschmuck durfte fast ein Jahr lang nicht getragen werden. Stattdessen trugen wohlhabende Damen Schmuck aus Natursteinen, wobei Gagat am häufigsten bevorzugt wurde. Diejenigen, deren finanzielle Mittel den Kauf von Echtschmuck nicht zuließen, griffen zu Imitationen aus geschwärztem Holz oder Gummi.

Während der Trauerzeit waren jegliche Vergnügungen verboten; eine Witwe durfte keine Partys besuchen und weder in die Oper noch ins Theater gehen. Nach einem Jahr der Trauer konnte man wieder ins normale Leben zurückkehren.

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