Die Geschichte des ersten Wiener Modehauses

Als die Nationalsozialisten in Wien an die Macht kamen, begann die Entwicklung der Textilindustrie und die Förderung der „Wiener Mode“. Bis 1938 zählten die Textilproduktion und der -export zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen der Stadt, schreibt viennaka.eu.

Die ersten Modevereinigungen in Wien

Die Nationalsozialisten wollten Wien zur deutschen Modestadt machen. Ihr Hauptaugenmerk lag weniger auf der Verbesserung der Produktion als vielmehr auf den großen jährlichen Modeschauen, der Gründung einer Modeakademie und der Vermarktung von in Wien hergestellter Kleidung.

Im Sommer 1938 fassten Bürgermeister Hermann Neubacher, Hans Harald Rath und Günther Onheuser den Plan, die „Gesellschaft zur Förderung der Wiener Mode und Geschmacksindustrie“ zu gründen.

Bei der Analyse der erhaltenen Dokumente lässt sich vermuten, dass die Stadtverwaltung bestrebt war, den Einfluss des „Altreichs“, insbesondere des Berliner Modeinstituts, auf die Stadt zurückzudrängen.

Die Bemühungen von Josef Hoffmann, ein Wiener Modeamt zu schaffen, fielen bei den Nationalsozialisten auf fruchtbaren Boden, da diese Frage aufgrund ihrer wirtschaftlichen Bedeutung Teil des Parteiprogramms des Wiener Bürgermeisters war.

Im Sommer 1938 wurde der zentrale Verband der Textilindustrie, das „Haus der Mode in Wien. Gesellschaft zur Förderung der Mode und des Geschmacksgewerbes“, gegründet. Die Hauptaufgabe des Verbandes war der Entwurf und die Herstellung von Kleidung. Zur gleichen Zeit schuf Josef Bürckel das „Referat III/B Mode und Geschmacksindustrie“, das ein Pendant zum Haus der Mode darstellte. Dessen Leiter war der Bürgermeister von Wien, Hermann Neubacher. Die Organisation wurde aus dem städtischen Budget finanziert.

Alfred Kunz übernahm die Position des künstlerischen Leiters. Nach dem Verlassen des Gymnasiums begann Kunz ein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Düsseldorf. Ab 1928 arbeitete er als Kostümbildner an verschiedenen Wiener Theatern. Diese Person spielte eine große Rolle bei der Umwandlung der Wiener Frauenakademie in eine Schule für Kunst und Mode im Jahr 1939. Im Jahr 1945 wurde er zum Direktor der Wiener Kunstschule ernannt. Kunz war maßgeblich am Aufbau der Modesammlung im Wien Museum beteiligt. Für seine Verdienste wurde ihm der Titel Professor verliehen.

Das Haus der Mode – ein Ort für Modeschöpfer und Schauen

Die Gründung des Hauses der Mode und der Wiener Schule für Kunst und Mode erhöhte das Ansehen des Berufs des Modeschöpfers in Wien. Bald wurde dieser Beruf in der Reichskammer der bildenden Künste anerkannt.

Im Haus der Mode arbeiteten die besten Modeschöpfer Wiens. Hier entwickelten sie sich weiter und tauschten wertvolle Erfahrungen untereinander aus.

Der Hauptsitz des Hauses der Mode befand sich im Palais, das einst der Familie Lobkowitz gehörte. Mit der Gestaltung des Gebäudes für das Haus der Mode wurde Josef Hoffmann beauftragt. Bevor er mit der Arbeit begann, gab er der lokalen Zeitschrift „Wiener Mode“ ein Interview. Hoffmann erklärte, dass auf dem Gelände ein Ausstellungszentrum entstehen würde, in dem Modeschauen stattfinden könnten.

Das zweite Stockwerk mit seinen großzügigen Räumen sollte als Arbeitsplatz für die Modeschöpfer und die Verwaltung des Hauses der Mode dienen. Im Jänner 1940 war die Restaurierung des Palais abgeschlossen.

Die erste offizielle Veranstaltung im Haus der Mode fand anlässlich des „Modeballs“ statt, der im Februar 1939 im Festsaal des Konzerthauses abgehalten wurde. Carl Witzmann war für die Gestaltung der Festsäle verantwortlich, die er mit Seide und Samt schmückte.

Bei der Veranstaltung wurden dem Publikum rund 60 Sommermodelle für den Alltag, den Sport und die Arbeit präsentiert.

Die offizielle Eröffnung des Hauses der Mode im Palais Lobkowitz fand wenige Tage nach dieser Veranstaltung im Marmorsaal statt. Neben dem Hauptsitz in Wien wurden später mehrere Filialen mit kommerziellen Schauräumen eröffnet.

Modeschauen und Ausstellungen

Die wichtigste Aufgabe des Hauses der Mode war die Vermittlung zwischen Produktion und Absatzmarkt, was vor allem durch Modeschauen erreicht wurde. Darüber hinaus fanden auf dem Gelände des Hauses der Mode zweimal jährlich die Wiener Modewochen statt, bei denen die Kollektionen von Wiener Designern gezeigt wurden.

Jedes Jahr entwickelte sich das Haus der Mode weiter. Im Jahr 1938 kauften seine Leiter die Zeitschrift „Wiener Mode“, in der für die neuen Kollektionen geworben wurde.

Das Haus während des Zweiten Weltkriegs

Während des Zweiten Weltkriegs, als Wien von deutschen Truppen besetzt war, wurde die Führung des Hauses der Mode ausgewechselt. Nun stand es unter der Leitung von Gauleiter Baldur von Schirach. Er hatte große Pläne, Wien in eine „Modestadt des Reiches“ zu verwandeln. All dies führte sehr bald zu einer Reorganisation der Institution.

Später wurde das Haus der Mode von der Deutschen Arbeitsfront geleitet. Von nun an wurde der Leiter des Verbandes „vom Reichsstatthalter in Wien in Abstimmung mit dem Modebeauftragten des Führers“ ernannt. Schirach versuchte, Margarethe Klimt, eine Absolventin der Schwarzwaldschule in Wien, für seine Seite zu gewinnen, doch seine Pläne scheiterten.

Im Jahr 1940 musste aufgrund des Stoffmangels eine Genehmigung für den Einkauf eingeholt werden. Sehr bald kam die Tätigkeit des Hauses der Mode zum Erliegen. Bereits im Frühjahr 1943 wurde es in „Kriegswirtschaftsstelle Bekleidung“ umbenannt und im Sommer desselben Jahres der Rüstungsindustrie unterstellt.

Die endgültige Auflösung

Nach dem Fall des NS-Regimes wurde das Haus der Mode, im Gegensatz zur Wiener Schule für Kunst und Mode, aufgelöst. Das Vermögen des Unternehmens ging in das Eigentum des Instituts für Wirtschaftsförderung der Bundeshandelskammer über. Im Juli 1945 wandte sich Oswald Haerdtl im Namen des Wiener Kunstgewerbevereins mit einem Schreiben an das Kulturamt, in dem er die Bedeutung des Hauses der Mode betonte.

Er bat darum, alle darin verbliebenen Gegenstände dem Wiener Museum für angewandte Kunst zu übergeben. Auf diese Weise wurden alle Kleiderkollektionen und die Ausstattung aus dem Haus der Mode dem Wiener Stadt- und Landesarchiv übergeben.

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