Der berufliche Werdegang von Frauen in Wien: Arbeit in der Vergangenheit

Die Geschichte Wiens ist nicht nur eine Chronik von Imperien, Palästen und kultureller Blüte, sondern auch eine fesselnde Erzählung darüber, wie die Stadt durch die tägliche Arbeit ihrer Bewohner geformt wurde. Einen besonderen Platz in diesem Gefüge nimmt das Berufsleben der Frauen ein, das im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts einen wahrhaft radikalen Wandel erlebte. Diese Transformationen spiegelten die allgemeinen sozialen, wirtschaftlichen und politischen Umwälzungen wider, die ganz Österreich erfassten. Mehr dazu auf viennaka.eu.

Billige Arbeit und begrenzte Möglichkeiten im Wien des 19. Jahrhunderts

Im 19. Jahrhundert, mit dem Beginn der stürmischen Industrialisierung, erlebte Wien, wie auch andere europäische Städte, bedeutende soziale und wirtschaftliche Veränderungen. Einer der Schlüsselaspekte dieser Transformationen war die massenhafte Einbeziehung von Frauen in die bezahlte Arbeit. Dies war bedingt durch den Bedarf der wachsenden Industrie, die billige Arbeitskräfte benötigte.

Viele Frauen fanden Arbeit in Branchen wie der Textilindustrie, wo sie in Fabriken routinemäßige Tätigkeiten wie Spinnen, Weben und die Verarbeitung von Materialien verrichteten. Auch in der Bekleidungsindustrie war ihre Präsenz bedeutend, wo ihre Arbeit für die Herstellung von Kleidung und anderen Erzeugnissen unentbehrlich war. Darüber hinaus arbeitete eine riesige Anzahl von Frauen als Hauspersonal (Dienstmädchen) in wohlhabenden Familien und erledigte ein breites Spektrum an Aufgaben – vom Putzen und Kochen bis zur Kinderbetreuung.

Trotz ihrer aktiven Beteiligung am Produktionsprozess war Frauenarbeit oft extrem schlecht bezahlt und galt im Vergleich zur Männerarbeit als weniger prestigeträchtig. Dies war die Folge tief verwurzelter gesellschaftlicher Stereotypen, die den Wert weiblicher Arbeit herabsetzten, sowie des Fehlens eines angemessenen rechtlichen Schutzes. Frauen besetzten in der Regel Positionen, die keine hohe Qualifikation erforderten, was ihre Möglichkeiten für berufliches Wachstum und professionelle Entwicklung automatisch einschränkte. Selbst in denselben Branchen, in denen Männer arbeiteten, erhielten Frauen deutlich weniger Lohn. Gerechtfertigt wurde dies mit dem Mythos ihrer „geringeren Produktivität“ oder der Annahme, sie seien „nicht die Hauptversorger der Familie“. Diese Situation verstärkte nur die wirtschaftliche Abhängigkeit der Frauen und ihre Anfälligkeit für Ausbeutung.

Journalismus im Verborgenen

Im 19. Jahrhundert, als gesellschaftliche Normen die Rolle der Frau einschränkten, wurde der Journalismus für viele von ihnen zu einer Möglichkeit der Selbstverwirklichung unter dem Deckmantel der „geistigen Mütterlichkeit“. Dieser Beruf fiel in den Bereich der intellektuellen Mutterschaft, da er Frauen eine Plattform bot, um bildende und erzieherische Ideen zu verbreiten. Ihre oft sozialkritischen und fortschrittlichen Ansichten stießen jedoch im männlich dominierten Medienraum nicht selten auf Widerstand.

Trotz dieser Schwierigkeiten schrieben Frauen aktiv. Bereits 1898 konnte die Bibliografin Sophie Pataky in ihrer Enzyklopädie „Frauen der Feder“ 2047 Schriftstellerinnen identifizieren. Viele von ihnen (1133 Frauen) waren aktiv in Zeitschriften tätig, waren also Journalistinnen. Dieses Buch ist ein wahrer Fund unter der geringen Anzahl von Studien über Frauen im Journalismus des 19. Jahrhunderts, da es auf 1100 Seiten nicht nur die Werke deutschsprachiger Schriftstellerinnen seit 1840 auflistet, sondern auch ihre Biografien dokumentiert.

Dass 72 Druckseiten in diesem Sammelband ausschließlich den Pseudonymen und Kürzeln gewidmet sind, die Schriftstellerinnen im 18. und 19. Jahrhundert verwendeten, überrascht nicht. Unter den Bedingungen des herrschenden bürgerlichen Frauenideals des späten 19. Jahrhunderts, in dem „weibliche Arbeit“ oft als schändlich galt, hielten viele Journalistinnen ihre Tätigkeit geheim. Diese „Scham der Frauenarbeit“ zwang sie, ihren Beruf geheim zu halten.

Wachsende weibliche Selbstständigkeit und neue Berufe in Wien

Das Ende des 19. und der Beginn des 20. Jahrhunderts wurden in Wien zu einer Zeit bedeutender Veränderungen im Leben der Frauen, die nicht nur vom Kampf um Gleichberechtigung, sondern auch von der schrittweisen Erweiterung ihrer beruflichen Möglichkeiten geprägt war. Diese Jahrzehnte legten den Grundstein für die wachsende weibliche Selbstständigkeit und das Entstehen neuer Wege zur Selbstverwirklichung.

Einer der deutlichsten Beweise für die wachsende Unabhängigkeit der Frauen war die Zunahme ihres Anteils unter den Selbstständigen. Waren 1869 nur 18 % der Frauen in Wien selbstständig, so stieg dieser Anteil bis 1900 auf 33 %. Dies zeigt, dass Frauen aktiv in den Bereich des Unternehmertums und der freiberuflichen Tätigkeit vordrangen, ihr eigenes Einkommen schufen und wirtschaftliche Unabhängigkeit erlangten. Das waren die ersten Schritte zur Überwindung traditioneller Beschränkungen und zur Bildung einer neuen Vorstellung von der Rolle der Frau in der Gesellschaft.

Bildung als Schlüssel zum Beruf und einzigartige „Frauenberufe“ Wiens

Das Bewusstsein für die Bedeutung von Bildung zur Erweiterung der Möglichkeiten führte zur Gründung einflussreicher Organisationen. Im Jahr 1866 wurde in Wien der erste Wiener Frauen-Erwerb-Verein gegründet. Sein Hauptziel war die Verbesserung der Bildungs- und Berufschancen für Frauen. Der Verein beschränkte sich nicht auf Erklärungen – er handelte aktiv und eröffnete zahlreiche Schulen, insbesondere Handwerksschulen. Dies ermöglichte es Tausenden von Frauen, die notwendige Ausbildung und praktische Fähigkeiten zu erwerben, die entscheidend waren, um auf dem Arbeitsmarkt wettbewerbsfähig zu sein und eine anständige Arbeit zu bekommen.

Neben den traditionellen Arbeiterberufen gab es in Wien auch spezifische „Frauenberufe“, die die Besonderheiten des städtischen Lebens und die Bedürfnisse der Gesellschaft widerspiegelten. Einer dieser ungewöhnlichen, aber verbreiteten Berufe waren die „Sesselfrauen“ – Frauen, die für die Vermietung und Instandhaltung von Stühlen in den zahlreichen Stadtparks zuständig waren. Dies ermöglichte es den Stadtbewohnern, sich bequem in der Natur zu erholen. Dieser Beruf, der bis Mitte des 20. Jahrhunderts existierte, sicherte den Frauen nicht nur ein stabiles Einkommen, sondern auch einen gewissen sozialen Status und ermöglichte es ihnen, sichtbare Teilnehmerinnen am städtischen Leben zu sein.

Frauen in der Welt der „Angestellten“

Der Erste und Zweite Weltkrieg brachten Wien nicht nur Zerstörung, sondern auch grundlegende Veränderungen im sozialen und beruflichen Bereich. Trotz der allgemeinen wirtschaftlichen Stagnation und teilweise sogar eines Rückgangs der Gesamtbeschäftigung von Frauen in dieser turbulenten Zeit fand eine interessante Transformation statt: Der Anteil der Frauen im sogenannten „Angestelltensektor“ (im Englischen „white-collar sector“) wuchs erheblich und setzte damit einen Trend fort, der zu Beginn des Jahrhunderts begonnen hatte.

Dieses Wachstum war auf mehrere Schlüsselfaktoren zurückzuführen. Die Verbreitung und Einführung von Innovationen wie Stenografie, Schreibmaschine und Telefon veränderten die Büroarbeit grundlegend. Gleichzeitig entwickelten sich neue Formen der Unternehmensorganisation, bei denen Büroarbeiten vom direkten Produktionsprozess getrennt wurden. Diese Veränderungen führten zu einer stärkeren Einbeziehung von Frauen in diese neuen Arbeitsbereiche, da sie Präzision, Organisationstalent und kommunikative Fähigkeiten erforderten, die traditionell mit weiblichen Eigenschaften in Verbindung gebracht wurden.

Frauen im Gemeindedienst und im Bildungsbereich

An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert engagierten sich Frauen in Wien zunehmend im Gemeindedienst und bahnten sich den Weg in für die Stadt wichtigen Bereichen. Bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs waren etwa 10 % der Wiener Gemeindebediensteten Frauen. Sie leisteten unentbehrliche Arbeit, hauptsächlich als Krankenschwestern (nach der Gründung der ersten Krankenpflegeschulen durch Theodor Billroth) sowie als Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen. Dies waren Berufe, die Hingabe und eine hohe Qualifikation erforderten.

Allerdings sahen sich Frauen mit archaischen, diskriminierenden Vorschriften konfrontiert. Besonders schmerzhaft für Lehrerinnen war der sogenannte „Lehrerinnenzölibat“: Nach der Heirat verloren sie ihre Stelle und den Anspruch auf eine Pension. Diese Bestimmung, die die beruflichen Rechte der Frauen erheblich einschränkte, wurde in Wien erst nach dem Ersten Weltkrieg abgeschafft. Doch selbst nach diesem Sieg war der Weg zur vollständigen Gleichberechtigung noch lang: 1929 waren 21 % der Leitungspositionen in den Wiener Mädchenschulen immer noch von Männern besetzt.

Eingeschränkte Aufstiegschancen

Trotz der zunehmenden Zahl von Frauen im Angestelltensektor und im öffentlichen Dienst blieben ihre Aufstiegschancen begrenzt. Die Tatsache, dass Frauen im öffentlichen Dienst keine höheren Positionen erreichen konnten, hing direkt damit zusammen, dass es ihnen lange Zeit nicht gestattet war, ein Universitätsstudium abzuschließen (das sogenannte „Frauenstudium“). Ohne Hochschulbildung war der Weg zu Führungspositionen versperrt.

Selbst in der Industrie, wo Frauen einen erheblichen Teil der Belegschaft ausmachten, war die Situation ähnlich. Dies unterstreicht, dass trotz der sichtbaren Veränderungen in der Beschäftigungsstruktur der Weg zu echter Gleichberechtigung noch lang war und weitere Anstrengungen erforderte.

Quellen: www.geschichtewiki.wien.gv.at, magazin.wienmuseum.at, www.frauentag-noe.at, www.abendblatt.de

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