Wien, als Herz eines ehemaligen Imperiums und Zentrum tiefer religiöser Traditionen, bewahrt unzählige Spuren seiner Vergangenheit. Unter ihnen nehmen die ehemaligen Frauenklöster, die sowohl in der Stadt selbst als auch in ihrer malerischen Umgebung verstreut sind, einen besonderen Platz ein. Diese Bauten sind nicht nur architektonische Denkmäler; sie sind stille Zeugen einer jahrhundertelangen Geschichte, die mit den Schicksalen tausender Frauen verwoben ist, die ihr Leben dem Glauben, der Wissenschaft und der Wohltätigkeit gewidmet haben. Mehr Details auf viennaka.eu.
Mittelalterliche Frauenklöster
Im mittelalterlichen Wien und seiner Umgebung waren Frauenklöster nicht nur spirituelle Zentren, sondern auch wichtige Knotenpunkte des kulturellen, sozialen und sogar wirtschaftlichen Lebens. Sie bestanden jahrhundertelang und erlebten oft Perioden der Blüte und des Niedergangs, bis die weitreichenden Reformen von Kaiser Joseph II. Ende des 18. Jahrhunderts zur Schließung vieler von ihnen führten.
- Klarissenkloster St. Clara (1302–1540). Als eines der ältesten Frauenklöster Wiens wurde das Klarissenkloster St. Clara zu Beginn des 14. Jahrhunderts im Herzen der Stadt, zwischen der heutigen Kärntner Straße und dem Lobkowitzplatz, gegründet. Es war ein Tochterkloster des böhmischen Klarissenordens. Die Klarissenschwestern führten einen strengen Lebensstil, der dem Gebet und dem Dienen gewidmet war. Die Geschichte dieses Klosters endete jedoch relativ früh. Während der türkischen Belagerung Wiens im Jahr 1529 wurden die Schwestern evakuiert, und das Kloster wurde 1540 endgültig geschlossen. Das Gebäude wurde später in Wohnräume umgewandelt und schließlich 1873 abgerissen, wobei nur historische Aufzeichnungen zurückblieben.

- Himmelpfortkloster (ca. 1240–1783). Das Kloster der Heiligen Jungfrau Maria wurde im 13. Jahrhundert als Konvent für Frauen gegründet, die ein Leben in Klausur wählten und sich vollständig dem Gebet und der Besinnung widmeten, ohne die Klostermauern zu verlassen. Diese einzigartige Lebensweise spiegelte sich im Namen „Porta coeli“ wider. Das Kloster bestand über fünf Jahrhunderte und wurde während der Josephinischen Reformen im Jahr 1783 aufgelöst, die die religiöse Landschaft des Imperiums radikal veränderten.
- St. Laurenz Kloster (1293–1782). Das Kloster St. Laurenz durchlief eine interessante Entwicklung. Ursprünglich wurde es für Beginen gegründet – Frauen, die ein religiöses Leben ohne offizielle Ordensgelübde führten. Später schloss sich die Gemeinschaft den Dominikanerinnen und danach den Augustiner-Chorherren an. Auch dieses Kloster wurde 1782 im Rahmen der Reformen Josephs II. geschlossen. Die Dokumentation auf dem Portal Monasterium bestätigt seine ununterbrochene Tätigkeit bis zu den Reformen und macht es zu einer wichtigen Quelle für die Erforschung des klösterlichen Lebens im mittelalterlichen Österreich.
- Kloster St. Theobald (14. Jh.–1529). Das im 14. Jahrhundert gegründete franziskanische Frauenkloster St. Theobald war für seine karitative Tätigkeit bekannt. Die Terziarinnen-Schwestern widmeten sich dem Dienst an Bedürftigen und Kranken und verkörperten so die franziskanischen Ideale der Barmherzigkeit. Doch wie das Klarissenkloster fand auch sein Schicksal während der Belagerung Wiens im Jahr 1529 ein tragisches Ende, als es vollständig zerstört wurde.
Diese ehemaligen Frauenklöster sind in ihrer ursprünglichen Form nicht bis in unsere Zeit erhalten geblieben, haben aber eine tiefe Spur in der Geschichte Wiens hinterlassen. Sie zeugen von der bedeutenden Rolle der klösterlichen Gemeinschaften im Leben der Stadt vor der Epoche der Aufklärung und der Reformen.

Spätere Frauenkonvente des 19. und 20. Jahrhunderts
Nach den weitreichenden Reformen Josephs II., die zur Schließung vieler mittelalterlicher Klöster führten, wurden das 19. und 20. Jahrhundert in Wien zu einer Zeit der Wiederbelebung und Gründung neuer Frauenkonvente. Diese Klöster spielten eine Schlüsselrolle im sozialen Leben der Stadt und konzentrierten sich nicht nur auf die Spiritualität, sondern auch auf Bildung, Krankenpflege und karitative Tätigkeiten.
- Klarissen von der Ewigen Anbetung (Klarissenkirche, seit 1909). In den Jahren 1909–1911 wurde in Wien der Frauenorden der Klarissen von der Ewigen Anbetung gegründet. Dieses Kloster wurde zu einem wichtigen spirituellen Zentrum. Nach 1939 wurde seine Kirche zu einer Pfarrkirche und dient weiterhin der örtlichen Gemeinde.
- Dominikanerinnenkonvent Hietzing (seit 1870). Im Jahr 1870 wurde in Hietzing der Dominikanerinnenkonvent gegründet. Dieser Komplex zeichnete sich durch seine Multifunktionalität aus, da er neben dem Kloster auch eine Schule und ein Internat umfasst, was den bedeutenden Beitrag der Dominikanerinnen zur Bildung und Erziehung der Jugend belegt.
- Franziskanerinnen von der christlichen Liebe (seit 1857). Der Orden der Franziskanerinnen von der christlichen Liebe wurde 1857 mit dem Ziel der Krankenpflege gegründet. Diese Schwestern setzen ihre wohltätige Tätigkeit bis heute fort. Ihr Mutterhaus befindet sich im 5. Wiener Gemeindebezirk in der Hartmanngasse, was sie zu einem festen Bestandteil der sozialen Infrastruktur der Stadt macht.

- Altes Kloster oder Redemptoristinnenkloster (seit 1908–1909). In der Nähe der Erlöserkirche im Bezirk Mauer wurde das Redemptoristinnenkloster, bekannt als Altes Kloster, errichtet. Dieser Konvent hat eine Besonderheit – seit 1926 besitzt er einen eigenen Friedhof, was die Autarkie und Geschlossenheit der klösterlichen Gemeinschaft unterstreicht.
- Schwestern vom armen Kinde Jesu in Döbling (seit 1857). Ebenfalls 1857 gegründet, arbeiten die Schwestern vom armen Kinde Jesu aktiv mit Schulen zusammen. Ihr Kloster befindet sich an der Döblinger Hauptstraße und verfügt über eine eigene Klosterkapelle. Ihre Tätigkeit zeugt von der wichtigen Rolle der religiösen Orden im Wiener Bildungssystem.
Diese späteren Frauenklöster demonstrieren das lebendige Erbe der klösterlichen Traditionen in Wien, indem sie sich an die Bedürfnisse der neuen Zeit anpassen und der Gesellschaft weiterhin durch Bildung, Wohltätigkeit und spirituellen Dienst dienen.

Wiederentdeckte Gräber aus dem Frauenkloster St. Nikolai (Nikolaikloster)
Jüngste archäologische Ausgrabungen im Wiener Bezirk Landstraße, in der Siegelgasse, brachten erstaunliche Ergebnisse zutage, die ein neues Licht auf die Rolle mittelalterlicher Frauenklöster werfen. Die Forscher entdeckten 16 Gräber, unter denen sich die Leichen von Frauen, Männern und Kindern befanden.
Diese Entdeckung ist von außerordentlicher Bedeutung, da sie beweist, dass das Kloster in der Siegelgasse nicht nur als geschlossene Gemeinschaft für Nonnen fungierte. Stattdessen erfüllte es eine breitere Rolle, indem es Laienbrüdern (weltlichen Mitgliedern des Ordens) und Bedürftigen Zuflucht und eine letzte Ruhestätte bot. Dies eröffnet neue Perspektiven für das Verständnis der sozialen Funktion von Klöstern im Mittelalter und zeigt sie als wichtige Zentren der Wohltätigkeit und Integration im Gemeinschaftsleben.
Die Radiokarbon-Datierung (C14) der gefundenen Gräber bestätigte ihr Alter auf die Jahre 1184–1275. Diese Datierung bestätigt nicht nur das Alter des Heiligtums, sondern unterstreicht auch seine bedeutende Rolle in der Frühgeschichte Wiens, indem sie zeigt, dass dieses Kloster lange vor vielen bekannten Ereignissen ein aktiver Teil des städtischen Lebens war. Diese Funde veranlassen uns, die Vorstellung von mittelalterlichen Frauenklöstern zu überdenken und sie als dynamische soziale Institutionen zu betrachten.

Der Einfluss der Frauenklöster auf die Gesellschaftsbildung
Die alten Frauenklöster in Wien spielten vom Mittelalter bis zum 18. Jahrhundert eine Schlüsselrolle bei der Gestaltung der städtischen Gesellschaft, da sie nicht nur religiöse, sondern auch wichtige soziale, kulturelle und wirtschaftliche Zentren waren.
Sie fungierten als Bildungszentren, indem sie Mädchen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten in Lesen und Schreiben, Religion und Handarbeit unterrichteten, was eine gebildete weibliche Elite formte. Die Klöster leisteten auch medizinische und soziale Fürsorge, indem sie Zufluchtsorte, Lazarette und Spitäler für Kranke, Alte, Waisen, Witwen und alleinstehende Frauen schufen.
In kultureller Hinsicht waren die Klöster Zentren der Bewahrung von Wissen, in denen Chroniken geführt, Manuskripte kopiert und wertvolle Archive aufbewahrt wurden. Wirtschaftlich waren sie einflussreiche Akteure, da sie Ländereien und Werkstätten besaßen, was zur Entwicklung der lokalen Wirtschaft beitrug.
Darüber hinaus hatten diese Gemeinschaften einen bedeutenden moralischen und geschlechtsspezifischen Einfluss, indem sie Frauen einen alternativen Lebensweg boten, moralische Leitlinien vermittelten und sogar als Friedensstifterinnen in gesellschaftlichen Konflikten auftraten.