Das turbulente 20. Jahrhundert wurde für die Wienerinnen zu einer Zeit des grundlegenden Wandels in der Wahrnehmung der eigenen Haare und der Einstellung zu Frisuren. Die Schaffung des modischen Erscheinungsbildes vollzog sich in mehreren Schlüsselumfeldern: in professionellen Friseursalons in der Innenstadt und zu Hause. Es gab auch weniger formelle Einrichtungen wie öffentliche Bäder und kleine Quartiersfriseure. Sprechen wir ausführlicher darüber auf viennaka.eu.

Die Revolution der Haarpflege
Mit dem Anbruch des 20. Jahrhunderts entwickelte sich in Wien rasant ein Netz von professionellen Friseuren und Salons (Friseursalons), die sich auf die Bedienung von Frauen und Männern spezialisierten. Genau diese Einrichtungen wurden zu Zentren der Einführung neuer Modetrends. Als Reaktion auf die verbreitete „Bakteriophobie“ und das allgemeine zeitgenössische Verlangen nach Sauberkeit erhöhten die Friseursalons ständig die Hygienestandards und vertieften die Spezialisierung der Dienstleistungen. Hier konnten Frauen nicht nur einen Haarschnitt oder eine „heiße“ Frisur bekommen, sondern auch komplexere Dienste in Anspruch nehmen.
Ein Schlüsselmoment war der technologische Sprung in den 1910er bis 1930er Jahren, als in großen Salons elektrische und mechanische Dauerwellapparate (Permanent-Wave Machines) aufkamen. Trotz der Blütezeit spezialisierter Salons hielt sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, insbesondere in der Zwischenkriegszeit, die Tradition der Hausbesuche von Friseuren. Für wohlhabende Kundinnen oder diejenigen, die Wert auf Privatsphäre legten, war es üblich, Meister nach Hause oder in eigene kleine Privatsalons innerhalb der Wohnung einzuladen.
Somit war die Friseurbranche in Wien des 20. Jahrhunderts ein dynamisches System, das Modernisierung und Spezialisierung der Salons mit der Beibehaltung traditioneller Dienstleistungen verband und sowohl die Bedürfnisse der breiten Öffentlichkeit als auch der gehobenen Klasse befriedigte.

Geschlechtsspezifische Trennung von Friseurdiensten und das Streben nach Universalität
Traditionell gab es im städtischen Raum eine klare Trennung der Dienstleistungen nach Geschlecht. Das männliche Publikum verließ sich auf Barbershops/Meisterwerkstätten, in denen der Hauptakzent auf hochwertiger Rasur und klassischen Kurzhaarschnitten lag. Gleichzeitig boten die Damensalons ein breiteres Spektrum an Dienstleistungen, wobei der Fokus auf Styling, Färben und modischen Techniken lag. Mit der Entwicklung der städtischen Infrastruktur waren diese Rollen jedoch nicht absolut starr und überschnitten sich oft, insbesondere in großen Salons, die Universalität anstrebten.
Neben eigenständigen Geschäften wurden Salons in Warenhäusern und großen Kaufhäusern zu Modezentren. Diese Salons dienten als zusätzlicher Service für wohlhabende Kundinnen. In den gehobenen Einkaufsvierteln gelegen, boten sie schnelle und elegante Frisuren, oft vor wichtigen gesellschaftlichen Ereignissen oder Fotoshootings, und wurden zu einem Magneten für die Wiener Elite, was den Status unterstrich.

Der Friseurberuf selbst erlebte gleichzeitig eine Periode intensiver beruflicher Transformation und Modernisierung. Das Friseurhandwerk hörte auf, nur ein Handwerk zu sein, und entwickelte sich zu einer regulierten Branche. Es entstanden spezialisierte Bildungseinrichtungen, es bildeten sich Zünfte und Berufsverbände, die einheitliche Standards einführten und die Arbeit der Meister reglementierten. Dies trug nicht nur zur Verbreitung der neuesten Techniken bei, sondern auch zu einer signifikanten Steigerung des Serviceniveaus. Die Modernisierung, die in der Zwischenkriegs- und Nachkriegszeit aktiv stattfand, machte die Friseurdienstleistungen in Wien professioneller und zugänglicher und integrierte die Stadt endgültig in den weltweiten Kontext der Modeindustrie.
Von Hygieneängsten zu konkreten Maßnahmen
An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert erlangte die Frage der Hygiene kritische Bedeutung. Vor dem Hintergrund allgemeiner Ängste wurde die Öffentlichkeit äußerst sensibel für die Sauberkeit öffentlicher Räume, einschließlich der Friseursalons. Dies zwang die Betriebe, aktiv antiseptische Arbeitsmethoden zu bewerben und in sanitäre Bedingungen zu investieren. Einige Kundinnen zeigten sogar Misstrauen, indem sie ihre eigenen Kämme und Bürsten mitbrachten, was auf eine wachsende Nachfrage nach Dienstleistungssicherheit hindeutete.
Das Verfahren des Haarewaschens und -trocknens, das heute selbstverständlich erscheint, war an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert eine teure Neuerung, die sich allmählich unter dem Einfluss einer mächtigen Hygienebewegung verbreitete. Für die Einführung dieser Praxis war nicht nur eine neue Infrastruktur erforderlich, sondern auch eine Aufklärungskampagne, die darauf abzielte, alte Gesundheitsvorstellungen zu überwinden, die das Haarewaschen fälschlicherweise für schädlich hielten. Auch die Friseure selbst mussten überzeugt werden, wovon Veröffentlichungen in Branchenmagazinen zeugen.
So betonte die „Neue Wiener Friseur-Zeitung“ im Jahr 1898: „Es ist unglaublich und unbeschreiblich, wie viel Staub und Schmutz sich in den Haaren ansammelt… Ein muffiger und abgestandener Geruch verrät den unreinen Kopf schon von weitem.“ Damit begann man, das Haarewaschen als notwendige Hygienemaßnahme im Kampf gegen verbreitete Hautkrankheiten sowie als wünschenswerte neue Einnahmequelle in der boomenden Damenfriseur-Industrie zu betrachten.

Ein eng verwandtes Element war das Haartrocknen. Zunächst wurde es mit Handtüchern und Ventilatoren durchgeführt, aber ab Ende des 19. Jahrhunderts begannen technische Mittel zur Beschleunigung dieses Prozesses auf dem Markt aufzutauchen. In der Zwischenkriegszeit beschleunigte sich die Mechanisierung der Friseursalons: Neben dem Erscheinen der elektrischen Föhne von Wella und separaten Geräten für den kommerziellen und privaten Gebrauch begannen die Salons, zentrale Heißluftsysteme mit mehreren Trockenstationen zu installieren, was das Waschen und schnelle Trocknen endgültig als wichtigen Bestandteil des Friseurservices etablierte.
Die Evolution der Damenfrisuren in Wien im 20. Jahrhundert
An der Jahrhundertwende, in den Jahren 1900–1910, herrschte romantischer Idealismus und der Einfluss des Wiener Jugendstils vor. Das Frauenbild, inspiriert von der Ästhetik der Gibson Girl, sah hohe voluminöse Hochsteckfrisuren und weiche, fließende Wellen um das Gesicht vor. Zur Erzeugung des notwendigen Volumens verwendeten Wienerinnen spezielle Polsterungen – „Rats“ – und schmückten die Frisuren mit Haarnadeln, Perlen und Bändern.
Der kardinale Bruch erfolgte in den 1920er Jahren, als der kurze Haarschnitt zum Symbol der Moderne wurde – der Bubikopf. Dieser Wiener Name für eine Bob- oder Pagenkopf-Variante bezeichnete eine klare, bis zu den Ohren reichende Form, war manchmal asymmetrisch und oft mit eleganten, fixierten Wellen (Finger Waves) kombiniert. In Wien, als Kulturzentrum, erfreute sich der Bubikopf schnell großer Beliebtheit und wurde zum visuellen Zeichen der „Neuen Frau“ und zum Symbol der Emanzipation.
In den 1930er Jahren verlagerte sich die Mode hin zum raffinierten Hollywood-Glamour. Im Trend lagen glatte, glänzende S-förmige Wellen, längere Bobs mit eingedrehter Linie und die klassischen Marcel-Wellen. Gerade in dieser Zeit bewarb die Wiener Presse aktiv Salons, in denen bereits Versuche zur chemischen Dauerwelle weit verbreitet waren.

Praktikabilität dominierte in den 1940er Jahren, als Frisuren aufgrund der kriegsbedingten Einschränkungen bescheidener wurden. Obwohl allgemeine europäische Trends wie die Victory Rolls verbreitet waren, wurde in Österreich mittellanges Haar, weiche Locken und Frisuren bevorzugt, die leicht zu Hause mit Lockenwicklern oder Stoffbändern gemacht werden konnten, da materielle Ressourcen und der Zugang zu Friseurdienstleistungen durch die Kriegszeit eingeschränkt waren.
Das Nachkriegsjahrzehnt der 1950er Jahre war geprägt von einer Rückkehr zu Glamour, Volumen und Romantik. Aktuell wurden üppige Locken, voluminöse Hochsteckfrisuren und wellige „Bohème“-Frisuren, darunter der populäre Italian Cut. Wien erlebte einen regelrechten Boom: Es eröffneten aktiv moderne Salons, die massenhaft die Technik der Dauerwelle einführten und so das gewünschte üppige Volumen gewährleisteten.
Die energischen 1960er Jahre brachten eine ganze Reihe von Stilen: vom kurzen Wiener Pagenkopf bis zur hohen, skulpturalen „Babetten-Frisur“. Die chemische Dauerwelle dominierte weiterhin, wobei Salons begannen, neue, fortschrittliche Methoden wie die „kalte Dauerwelle“ anzubieten.
In den 1970er Jahren verlagerte sich der Fokus auf Natürlichkeit und Länge. Langes, glattes Haar, Shag-Frisuren mit gestuften Spitzen und minimale, leichte Locken wurden populär und harmonierten gut mit der Bohème-Mode der Wiener Künstlerkreise.

Im Gegensatz dazu wurden die 1980er Jahre zum Jahrzehnt der „Stilexplosion“. Es war die Zeit des starken Volumens, der „üppigen Mähne“ und asymmetrischer Schnitte. Die Dauerwelle wurde fast zur Norm für jede Länge, und die Verwendung von Haarspray erreichte ihren Höhepunkt. Österreichische Schönheitsmagazine jener Zeit wimmelten von diesen dramatischen und fixierten Looks.
Schließlich brachten die 1990er Jahre eine Abkehr vom übermäßigen Volumen zugunsten natürlicher Linien und Stufungen. Gestufte Schnitte, Bobs verschiedener Länge dominierten, und die chemische Dauerwelle verlor an Aktualität. Stattdessen gewannen glattes Haar und aufgehellte Strähnen an Popularität, was Textur und Leichtigkeit betonte.
Somit spiegeln die Damenfrisuren in Wien des 20. Jahrhunderts einen ununterbrochenen Dialog zwischen Innovationen, sozialen Trends und künstlerischen Einflüssen wider und verwandeln das Friseurhandwerk in eine wahre Chronik der Epoche.
Quellen: wi101.wisc.edu, unipub.uni-graz.at, magazin.wienmuseum.at, www.lordhair.de