Elfie Dassanowsky — die legendäre Filmdiva Österreichs

Sie spielte ausgezeichnet Klavier und hatte eine starke, wunderschöne Stimme. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Elfi von Dassanowsky zu einer der bedeutendsten Produzentinnen Österreichs. Angetrieben von ihrer Liebe zur Arbeit und ihrem Ehrgeiz, machte sie sich auf, Hollywood zu erobern – und es gelang ihr. Lesen Sie hier mehr über ihr Leben und Schaffen viennaka.eu.

Der Traum von der großen Bühne

Elfi wurde in Wien als Tochter des Beamten Franz Leopold Dassanowsky geboren. In ihrer Kindheit galt das kleine Mädchen als Wunderkind. Sie besaß ein außergewöhnliches musikalisches Talent und begann im Alter von 15 Jahren ihr Studium an der Wiener Universität für Musik und darstellende Kunst. Dort studierte sie Schauspiel bei Eduard Wolters und Gesang bei Paula Mark-Neusser.

Im Jahr 1942 kam sie erstmals mit der Welt des Films in Berührung. Damals bat sie der Regisseur Karl Hartl, einem jungen Schauspieler das Klavierspielen beizubringen. In dem Film „Wen die Götter lieben“ sollte der 27-jährige Curd Jürgens die Rolle des Kaisers Joseph II. spielen, der ein Musikinstrument beherrscht. Bald darauf begann der Regisseur, Elfi auf fester Basis zu engagieren.

1943 wurden ihre Ausbildung und ihre musikalische Karriere unterbrochen, da sie sich weigerte, einer NS-Jugendorganisation beizutreten. Elfis Mutter wandte sich an den Rektor der Universität, der viele einflussreiche Freunde hatte. Sie gab ihm den gesamten Familienschmuck, damit er ihrer Tochter vorübergehend eine Stelle in einer Tabakfabrik und später in einem Krankenhaus verschaffte. Die ganze Zeit über dachte Dassanowsky daran, in der Zukunft in der Filmindustrie zu arbeiten, auch wenn dieser Gedanke vorerst ein unerfüllbarer Traum blieb.

Im Jahr 1944 erhielt Elfi ein Angebot für die Hauptrolle in einem neuen Musical der Berliner Filmproduktionsgesellschaft „UFA“. Die Diva Zarah Leander hatte ihren Vertrag mit dem Unternehmen gekündigt, und man wollte einen neuen Star aufbauen. Dank ihres beeindruckenden Stimmumfangs hätte Dassanowsky sie ersetzen können, doch sie lehnte ab. Der Grund war, dass sie ihre Karriere nicht unter der Schirmherrschaft einer Regierung machen wollte, die sie von Anfang an ablehnte.

Karriereentwicklung

Nach Kriegsende debütierte die 22-jährige Elfi als Susanna in der Oper „Figaros Hochzeit“ am Stadttheater St. Pölten. Hier lernte sie den Komponisten und Dirigenten Alfred Gerstner kennen. Er bemerkte sofort ihren Wunsch, die österreichische Filmszene wiederzubeleben. Bald arrangierte er für sie eine schicksalshafte Begegnung mit Emmerich Hanus. Trotz eines Altersunterschieds von über 40 Jahren entstand zwischen ihnen ein tiefes Vertrauen, sowohl auf künstlerischer als auch auf persönlicher Ebene.

Auch er hatte während der Kriegsjahre die Zusammenarbeit mit den Nationalsozialisten verweigert und war zeitweise als Bankier tätig gewesen. Seine Karriere hatte er in der Stummfilmzeit begonnen, zunächst als Schauspieler, später als Regisseur. Es gelang ihm, die Werke des Dichters Karl Schönherr wie „Erde“, „Glaube und Heimat“ und andere zu verfilmen.

Im Jahr 1946 gründeten Hanus und Dassanowsky die Filmproduktionsfirma „Belvedere Film“. Das Studio befand sich in einer nach dem Krieg stark beschädigten Villa am Bauernmarkt 24 im ersten Wiener Gemeindebezirk. In der Stummfilmzeit wurde das Obergeschoss des Gebäudes als Filmstudio genutzt und ab 1933 als Lehreinrichtung für Stummfilmkunst. Damit wurde Elfi Dassanowsky zur zweiten weiblichen Filmproduzentin in Österreich. Ihre ersten im Studio gedrehten Filme waren „Symphonie in Salzburg“ (1946) und „Die Kunstschätze des Klosterneuburger Stiftes“ (1947).

In den Jahren ihres Bestehens produzierte „Belvedere Film“ sieben Filme, von denen die musikalische Satire „Märchen vom Glück“ (1949) der bekannteste wurde. Dassanowsky förderte auch die Rückkehr berühmter Schauspieler zum Film und entdeckte neue Talente, die später eine glänzende Karriere machen konnten.

Während ihrer Arbeit in der Filmindustrie setzte Elfi ihre Karriere als Sängerin und Schauspielerin fort und spielte Hauptrollen in Opern, Operetten und Komödien. Zusätzlich unterrichtete sie Gesang und wurde Modell für den österreichischen Maler Franz Xaver Wolf. Mit einem Wort, sie war ein „vielseitiger“ Star, der sich in verschiedene Rollen verwandeln konnte.

1951 stellte „Belvedere Film“ die Produktion ein. Elfi blieb jedoch im Showgeschäft und wechselte zur „Phoebus International Film“ in Hamburg.

Ein neues Leben, ein plötzlicher Tod

In den 1950er Jahren zog sie nach Kanada, wo sie Laszlo de Csonka heiratete. Doch nach der Geburt ihrer Kinder endete die Ehe in Scheidung.

Bald darauf emigrierte Dassanowsky nach New York und 1962 nach Los Angeles. Dank guter Kontakte und persönlichem Einsatz konnte sie sich in Hollywood einen Namen machen. Sich als Filmproduzentin zu etablieren, gelang ihr jedoch nicht. Vor der Kamera wollte sie nicht mehr stehen, da sie in fast jeder Rolle anstößige Frauentypen hätte spielen müssen. Stattdessen arbeitete sie 15 Jahre lang als Gesangstrainerin.

Ihr Streben nach Kreativität und einer erfolgreichen Karriere endete unerwartet und tragisch. Im Jahr 2007 reiste Elfi in den Urlaub nach Hawaii. Plötzlich bildete sich ein Blutgerinnsel, und ihr linkes Bein musste amputiert werden. Um sich von der schweren Operation zu erholen, wurde sie in eine Rehabilitationsklinik in Kalifornien verlegt.

Am 2. Oktober 2007 starb Elfi plötzlich an Herzversagen. Robert Dassanowsky gründete 2009 zum Gedenken an seine Mutter eine Kulturstiftung.

Die von Dassanowsky produzierten Filme werden bis heute nicht nur von Österreichern, sondern von Menschen auf der ganzen Welt mit großer Freude gesehen.

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