Karoline Loos – eine Schriftstellerin, Schauspielerin und bekannte Schönheit der Stadt, die, obwohl verheiratet, Männer auf den ersten Blick in ihren Bann zog, schreibt viennaka.eu.
Eine unglückliche Ehe
Karoline (Lina) Obertimpfler war eine bekannte Persönlichkeit in Wien. Sie unterschied sich von anderen, trug moderne, weite Kleider und zog es vor, allein ins Kaffeehaus zu gehen, was für viele Frauen dieser Zeit inakzeptabel war.
Als sie wieder einmal in ihrem Lieblingskaffeehaus saß, lernte sie den Journalisten Peter Altenberg kennen, der sich auf den ersten Blick in sie verliebte und unbedingt mit ihr zusammen sein wollte.
Jedoch war die Begegnung Karolinas mit Altenbergs bestem Freund, Adolf Loos, unvermeidlich. Bei einem der Treffen ließ die schüchterne Karoline eine Blechdose fallen, die der Architekt Loos als Anschauungsobjekt für eine seiner Designarbeiten verwendete. Als sie fragte, wie sie den Schaden wiedergutmachen könne, schlug Loos ihr vor, ihn zu heiraten. So geschah es, dass zwischen Karoline und dem 12 Jahre älteren Adolf Gefühle entflammten. Als Altenberg erfuhr, dass die beiden sich trafen, war er empört und brach den Kontakt zu beiden für immer ab. Bald darauf verlobte sich das Paar.
Von Anfang an war klar, dass Loos seine Frau als eine kleine, hübsche Puppe betrachtete und sie auch so behandelte. Dies lässt sich aus einem Kommentar von Adolf über Karolinas Besuch der Schauspielschule schließen.
Der Ehemann sagte, der Besuch dieser Schule diene nur dazu, die Zeit zu füllen. Alles lief gut, solange Karoline ihren Mann unterstützte. Eine wichtige Rolle spielte auch das Milieu der wohlhabenden Gesellschaft, dem Adolf Loos nicht angehörte.
Bei ihrem Mann lief es sowohl finanziell als auch gesundheitlich schlecht. Er litt an den Folgen einer durchgemachten Syphilis, und zudem hatte ihn seine Mutter enterbt. Er besaß keine eigene Wohnung und musste in verschiedenen Hotels leben. Doch nach der Heirat mit einer vorteilhaften Kandidatin, nämlich Karoline, dachte Adolf, er hätte eine gute Partie gemacht. Er bat die Eltern seiner Frau, ihnen finanziell bei der Miete einer Wohnung zu helfen.
Die erfolgreiche Familie half der Tochter und dem Schwiegersohn nicht nur bei der Anmietung einer Wohnung, sondern fand auch potenzielle Kunden für Adolf.
Im Gegensatz zu ihrem Mann beklagte sich Karoline nie bei jemandem über Probleme, denn sie war es gewohnt, diese selbstständig zu lösen. In den wenigen Jahren des Zusammenlebens mit Karoline arbeitete Loos an so vielen Projekten wie nie zuvor in seinem Leben. Trotzdem nutzte er das Geld seiner Frau. Die Finanzkrise traf vor allem Karoline. Täglich kamen Gläubiger und drohten. Dank ihres Charismas gelang es der Frau, alle Schulden zu begleichen.
Ein neues Leben
Als Adolf das letzte Geld der Familie ausgegeben hatte, erlitt Karoline einen Nervenzusammenbruch. Sie beschloss, sich der Selbstverwirklichung zu widmen, wagte es aber nicht, ihren Mann zu verlassen. Das Schicksal wollte es, dass Karoline eine Affäre mit ihrem Altersgenossen Heinz Lang begann. Der Mann hoffte bis zuletzt, dass seine Geliebte Adolf Loos verlassen würde, doch Karoline bekam Angst und schrieb ihm, dass sie ihren Mann nicht verlassen werde. Heinz konnte diesen Schock nicht überwinden und nahm sich das Leben.
Von diesem Moment an begann für Karoline ein neues Leben. Sie trennte sich schließlich von Adolf Loos und stürzte sich in ihre kreative Arbeit. Karoline trat auf verschiedenen europäischen Bühnen auf und schrieb Artikel für Kulturzeitschriften. Als das Kaffeehausgeschäft ihrer Eltern bankrottging, verschlechterte sich ihre finanzielle Lage.
Den Zweiten Weltkrieg überlebte Karoline in Wien. In den Nachkriegsjahren unterstützte sie die Kommunistische Partei und veröffentlichte Artikel zu politischen und psychologischen Themen in der Zeitschrift „Österreichisches Tagebuch“.
Karoline Loos verstarb am 6. Juni 1950. Sie hinterließ viele interessante und lehrreiche Artikel, die auch heute noch gerne gelesen werden und die Menschen den Scharfsinn dieser großen Frau bewundern. Ihr Leben diente als Hauptvorlage für den deutschen Film „Lina“.