Die Mode in Wien hat eine ebenso lange Geschichte wie die Stadt selbst. Im 19. Jahrhundert wurde sie vom Adel und dem Bürgertum bestimmt. Die Wiener Aristokraten nutzten die Mode als Mittel zur Etablierung von Normen und zur Auseinandersetzung mit Geschlechtervorstellungen, schreibt viennaka.eu.
Was bevorzugten die Aristokraten?
Die Angehörigen dieser Klasse bestellten und kauften modische Artikel und Accessoires bei Wiener Handwerkern. Sehr oft erfolgte die Anfertigung der Kleidung nach Mustern, die aus Frankreich in die Stadt gebracht wurden.
Der beliebteste Ort für die Spaziergänge der Damen war der Prater. Dort konnten sie voreinander mit ihren neuen Stücken prahlen. Ihre Einkäufe erledigten sie in der Nähe des Stephansdoms, wo sich die entsprechenden Geschäfte befanden. Alle Waren dort wurden aus dem Ausland importiert.
Der Import modischer Kleidung endete nach den Napoleonischen Kriegen, als soziale Ängste und antifranzösische Propaganda zur Schaffung der „Wiener Mode“ führten. Dieses neue „Markenzeichen“ sollte den Einfluss ausländischer, insbesondere französischer Kleidung, verringern. Zudem wuchs mit der zunehmenden Anzahl an Bekleidungsgeschäften auch die Auswahl an Waren. Lokale Händler begannen, ihren Kunden ansprechende Modelle für Reisen und sportliche Aktivitäten anzubieten.
Mode in verschiedenen Epochen

Von 1800 bis 1815, während der Empire-Zeit, war die Damenmode durch dünne, gerade Hemdkleider mit geradem Schnitt gekennzeichnet. Allmählich wandelten sich diese Hemdkleider zu strengeren Kleidern mit einem komplexeren, nüchterneren Schnitt, und das Korsett kam in Mode. Im Gegensatz zu den Tageskleidern zeichneten sich Ballkleider durch tiefere Ausschnitte und eine üppige Verzierung mit Steinen aus. Junge Mädchen trugen keinen anderen Schmuck als frische Blumen im Haar. Kreuzband-Schuhe blieben reine Ballschuhe, während Stiefeletten Teil der Alltagsmode wurden.
In der Biedermeierzeit trugen die Damen Kleider mit weitem Ausschnitt oder ein separates Oberteil, ein Mieder, zu einem separaten Rock. Im Sommer bevorzugte man Modelle mit einem tiefen Rückenausschnitt.
Ein charakteristisches Merkmal der Kleidung der Biedermeierzeit war das Korsett. Die Frauen schnürten damit ihre schmalen Taillen sehr kunstvoll. Es sei darauf hingewiesen, dass durch das Korsett die weiten Keulenärmel der Kleider, die unterhalb der Schulter angesetzt waren, sehr schmal wirkten. Besonders verheiratete Wienerinnen liebten weite Röcke, die von Unterröcken gestützt wurden. Junge, unverheiratete Mädchen wählten hingegen kürzere Röcke, die etwa bis zu den Waden reichten. Darunter trugen sie obligatorisch weiße Pluderhosen mit Spitzenbesatz. Man war der Ansicht, dass Spitze Weiblichkeit ausdrückt und dem Stil Chic und Eleganz verleiht.
Ohne die passende Frisur galt ein Outfit als unvollständig. In dieser Zeit hatten die Frauen anscheinend nicht genug Zeit, sich etwas Aufwendiges auszudenken. Daher war alles einfach und ordentlich: In der Mitte des Kopfes wurde ein Scheitel gezogen, und an den Seiten über den Ohren wurden spiralförmige Locken geformt.
Zum Ausgehen verwendete man üblicherweise große Schals oder opulente Umhänge unterschiedlicher Länge. Wenn es draußen sehr kalt war, konnte man seine Hände in einem Muff wärmen.
Große Veränderungen

Im Jahr 1840 gab es bedeutende Veränderungen in der Damenmode. Ab 1842 begann man, die Krinoline zu tragen – einen schweren Unterrock, der mit Rosshaar verstärkt war und dem Rock eine kuppelförmige Gestalt verlieh. Im Zeitraum von 1848 bis 1869 war die Krinoline ein wesentlicher Bestandteil eines modischen Erscheinungsbildes.
Zusätzlich banden sich die Frauen einen kunstvollen Knoten im Nacken und trugen am Kopf einen Chignon (die Haare wurden am Hinterkopf zu einem Knoten zusammengefasst). Im Sommer dienten Strohhüte als Kopfbedeckung.
Zur Modeikone, die alle zu imitieren versuchten, wurde Kaiserin Elisabeth von Österreich. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab erneut Paris den Ton in der Mode an. Pariser Outfits wurden direkt bestellt und in Wien zu sehr hohen Preisen verkauft, weshalb sie sich nur die wohlhabendsten Menschen leisten konnten. Bald darauf begann man, die Entwürfe zu kopieren und in lokalen Fabriken zu nähen.
Die Pariser Mode dominierte für lange Zeit in Wien, wie auch in anderen Städten dieser Epoche.