Viktor Frankl – Wiener Psychiater, Begründer der Logotherapie

Der Name Viktor Frankl ist weit über die Grenzen Wiens hinaus bekannt. Er war ein talentierter Psychiater, Neurologe und Philosoph, der Tausenden von Menschen mit Alkohol- und Drogenabhängigkeiten geholfen hat. Darüber hinaus widmete sich Frankl wissenschaftlichen Studien zur Suizidprävention bei Partnern. Nach Ansicht des Arztes lag der Grund für Selbstmorde in der Abwesenheit eines Ziels und des Gefühls, dass man gebraucht wird. Mehr über das Leben und Wirken Viktor Frankls lesen Sie hier: viennaka.eu.

Kindheit und Jugend

Viktor wurde am 26. März 1905 in Wien geboren. Er war das zweite von drei Kindern in einer jüdischen Familie. Der Vater des Jungen arbeitete im Sozialministerium, die Mutter war ebenfalls im Staatsdienst. Elsa, Viktors Mutter, war gutherzig, anständig und gewissenhaft, während der Vater Gabriel einen sehr aufbrausenden Charakter hatte. Einmal brach er in einem Wutanfall seinem jüngsten Sohn das Rückgrat. Doch trotz allem liebten die Eltern ihre Kinder sehr und versuchten, ihnen das Beste zu geben und sie gerecht zu erziehen.

Ab dem dritten Lebensjahr träumte Viktor davon, Arzt zu werden. Als Teenager, kurz vor seinem Abitur, verfasste er seine erste wissenschaftliche Arbeit „Zur Psychologie des philosophischen Denkens“. Später schrieb sich der junge Mann an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien ein, wo er sein Studium als diplomierter Facharzt für Psychiatrie und Neurologie abschloss.

Karriere in Gefangenschaft

Die berufliche Laufbahn des Wissenschaftlers begann bereits im Jahr 1920. In dieser Zeit veröffentlichte er sein psychologisches Programm zur Unterstützung der Jugend. Im Jahr 1933 leitete der junge Arzt die Abteilung für Suizidprävention in einer der österreichischen medizinischen Einrichtungen.

Frankl war ein sehr guter Spezialist, der sich tief in die Probleme jeder Patientin hineinversetzte. Dadurch half er über 20.000 Frauen, suizidale Gedanken zu überwinden.

Als Österreich an Deutschland angeschlossen wurde, war es jüdischen Ärzten strengstens verboten, „Arier“ zu behandeln. Zwischen 1938 und 1939 führte Frankl eine Privatpraxis, und 1940 wurde er zum Chefarzt der neurologischen Abteilung der Rothschild-Klinik ernannt, wo Juden behandelt wurden. In dieser schwierigen Zeit wurden talentierte Ärzte von den Nazis verfolgt. Infolgedessen musste Viktor sowohl als Psychiater als auch als Neurochirurg arbeiten.

Im Jahr 1941 hatte Frankl die Chance, nach Amerika zu gehen und das besetzte Wien zu verlassen, aber er nutzte sie nicht. Seine betagten Eltern, die Pflege benötigten, blieben in Österreich. Im Jahr 1942 wurde die gesamte Familie in das tschechische Lager „Theresienstadt“ gebracht, das sich von anderen unterschied. Dort gab es eine Synagoge, Theater und Ausstellungen. Doch nicht alles war so, wie es auf den ersten Blick schien.

Hinter dem „Humanismus“ der Hitler-Anhänger verbarg sich eine bittere Wahrheit. Nach einem kurzen Aufenthalt in „Theresienstadt“ wurden die Häftlinge in die Todeslager geschickt. Bald wurde Frankl in das weniger harte Auschwitz und dann in eines der Dachauer Gefängnisse verlegt. In jedem Lager verrichtete der Mann, wie die anderen Häftlinge, schwere Arbeit, einschließlich des Verlegens von Gleisen. Aber abends „behandelte“ Viktor die Seelen seiner Kameraden, indem er Vorlesungen über Psychologie hielt.

Menschen, die in der Gefangenschaft ihren Lebenssinn verloren hatten, bot Frankl eine Methode des Autotrainings an. Diese bestand darin, dass sich jeder vorstellen sollte, bald alle Schwierigkeiten zu überwinden und wieder bei seinen Liebsten zu sein. Nachdem er diese Methode an sich und anderen angewandt hatte, kam der Psychiater zu dem Schluss, dass ein Mensch, der einen Lebenssinn hat, geistig stark ist. Darüber hinaus ist eine solche Person in der Lage, leicht einen Ausweg aus den schwierigsten Situationen zu finden. Später bildete diese Theorie die Grundlage des Buches „Der Mensch vor der Frage nach dem Sinn“ und einiger anderer Werke.

Im Jahr 1945 wurden Frankl und andere überlebende Gefangene von US-Truppen aus dem Lager befreit. Danach setzte er seine wissenschaftlich-publizistische Tätigkeit fort.

1946 wurde Viktor zum Leiter der Wiener Psychotherapeutischen Klinik ernannt. Dort begann er, verschiedene Behandlungsmethoden für psychisch kranke Menschen zu entwickeln. Die effektivste Methode war dabei der „paradoxe“ Ansatz, bei dem Patienten mit schlechtem Gedächtnis mehrmals täglich vorgeschlagen wurde, sich vorzustellen, sie hätten ein sehr gutes Gedächtnis. Erstaunlicherweise waren nach einigen Sitzungen deutliche Verbesserungen zu sehen. Der Psychiater wandte auch aktiv die Logotherapie an: Den Kranken wurde mehrmals wiederholt, dass sie klug seien und eine hohe Leistungsfähigkeit hätten. Allmählich ging es den Menschen besser.

Das Privatleben des Psychiaters

Im Jahr 1941 heiratete Viktor seine Kollegin, die Krankenschwester Tilly Grosser. Kurz nach der Hochzeit wurde die Frau schwanger. Genau in dieser Zeit nahm die Repression gegen Juden zu, weshalb das Ehepaar beschloss, eine Abtreibung vorzunehmen. Im Konzentrationslager wurde Tilly ermordet. Viktor liebte seine Frau sehr, er sprach oft in seinen Gedanken mit ihr. Wahrscheinlich unterstützte ihn dies in den schwersten Momenten der Gefangenschaft. Das Buch „Ärztliche Seelsorge“ widmete Frankl seiner Geliebten.

Im Jahr 1947 machte Viktor Eleonore Schwindt einen Heiratsantrag, mit der er bis zu seinem Lebensende zusammenlebte. Bald darauf wurde ihre Tochter geboren.

Neben dem Schreiben wissenschaftlicher Arbeiten und der Hilfe für Menschen komponierte Viktor auch Musik. Er schätzte Humor und Wortspiele und würzte seine Vorlesungen mit Anekdoten. Auch liebte der Mann starken Kaffee. Auf jede Reise nahm er Koffeintabletten mit, falls der ihm servierte Kaffee nicht stark genug sein sollte. Der große Psychiater starb am 2. September 1997 an Herzversagen.

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