Alfred Adler wird zurecht als einer der bedeutendsten Psychiater des 20. Jahrhunderts bezeichnet. Er legte die Grundsteine der Individualpsychologie, die den Menschen im Zusammenhang mit seinen sozialen Besonderheiten betrachtet. Adler ist auch der Begründer der Begriffe „Minderwertigkeitskomplex“ und „Kompensation“, schreibt viennaka.eu.
Kindheit und Jugendjahre
Alfred kam am 7. Februar 1870 in Rudolfsheim, dem 15. Wiener Gemeindebezirk, zur Welt. Der Junge war das zweite von sieben Kindern in der Familie. Seine Mutter Pauline und sein Vater Leopold waren jüdischer Nationalität.
Schon in jungen Jahren sah sich Alfred mit Schwierigkeiten konfrontiert. Bis zum Alter von vier Jahren konnte er aufgrund von Rachitis nicht richtig gehen. Mit fünf Jahren erkrankte er schwer an Lungenentzündung und überstand diese nur knapp. Die Ärzte gaben ihm keinerlei Heilungschancen. All dies beeinflusste wahrscheinlich Alfreds Entscheidung, Arzt zu werden.
Seine Grundbildung erhielt der junge Mann an einem klassischen Gymnasium. Nach dessen Abschluss schrieb er sich an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien ein. 1895 erwarb Adler sein Diplom.
Wissenschaftliche Karriere

Am Anfang seiner Karriere beschäftigte sich Adler mit der Augenheilkunde, wechselte aber später zur Neurologie. Bald überwog das Interesse an der Psychiatrie. Er entwickelte so interessante Ideen, dass Sigmund Freud 1902 auf sie aufmerksam wurde und den Kollegen einlud, seinem „Wednesday Society“-Club beizutreten.
An einem bestimmten Punkt erkannte Alfred, dass er und Sigmund unterschiedliche Ansichten über Wissenschaft und das Leben im Allgemeinen hatten, und so verließ er 1911 den Club. 1912 gründete er die Gesellschaft für Individualpsychologie.
Das Hauptziel des Denkers war die Entwicklung eines Konzepts, das das psychologische Wohlbefinden des Menschen in Verbindung mit seiner sozialen Stellung betrachtete. Dabei legte er den Schwerpunkt nicht auf die Behandlung psychischer Erkrankungen, sondern auf die Prävention ihres Auftretens.
Adler interessierte sich auch für die Geburtenfolge von Kindern. Aus eigener Erfahrung vermutete er, dass das erstgeborene Kind in einer besseren Position ist, da die Eltern ihm die meiste Aufmerksamkeit schenken. Wenn ein zweites Kind in die Familie kommt, fühlt es sich gedemütigt, und vor diesem Hintergrund entwickelt sich ein Minderwertigkeitskomplex.
Auch, so der Psychologe, leiden ältere Kinder am häufigsten an Neurosen und schlechten Angewohnheiten. Dies entsteht aus einer Kompensation für übermäßige Verantwortung, zum Beispiel der Notwendigkeit, sich um jüngere Geschwister zu kümmern.
25 Jahre lang hielt Adler verschiedene Vorträge in Schulen und Krankenhäusern. Er erzählte Eltern und Lehrern, wie man ein höfliches, erfolgreiches Individuum erzieht.
Es ist schwer, seinen Beitrag zur Psychologie zu bewerten. Unzählige Menschen befreite Alfred mithilfe seiner Therapie von Komplexen und Minderwertigkeitsgefühlen.
Privatleben
Noch während seines Studiums traf Alfred die Liebe seines Lebens, Raissa Epstein. 1897 heirateten sie. In der Ehe bekam das Paar vier Kinder. Eine Tochter trat in die Fußstapfen ihres Vaters und wurde Psychiaterin, die andere wurde Schriftstellerin und Sozialaktivistin.
1937 reiste Adler zu einer Dienstreise nach Schottland. Diese Reise war seine letzte. Als er die Straße entlangging, wurde dem Mann schlecht, er stürzte und starb. Die Todesursache war ein Herzinfarkt.
Interessante Fakten

- Adlers erste Praxis befand sich gegenüber dem Vergnügungspark „Prater“ in Wien. Dort wurde ständig das Zirkuszelt aufgebaut. Häufige Patienten des Psychiaters waren Clowns und Zauberer. Es wird angenommen, dass gerade deren Probleme Adler zum Nachdenken über die Begriffe Minderwertigkeit und Kompensation anregten.
- Während des Ersten Weltkriegs diente Alfred als Arzt an der Front der Entente.
- Adler war der erste Spezialist, der auf die Couch verzichtete und Stühle bevorzugte. Der Grund dafür war, dass er wollte, dass Arzt und Patient sich auf Augenhöhe befanden.
- Die Arbeiten des Wissenschaftlers werden in der Praxis heutiger Ärzte aktiv genutzt.
Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass Alfred Adler ein guter Mensch war, der alles Mögliche tat, um das Leben der Menschen zu vereinfachen.