Café · Wien · ⭐ 9.1/10 · 1182 Bewertungen · aktualisiert: 2026-08-10 15:37:59
Adresse: Währinger Str. 2-4, 1090 Wien, Österreich
Es gibt in Wien wenige Cafés, deren Name eine Verkehrsanlage ist. Gegenüber der ersten Filiale von Jonas Reindl Coffee Roasters liegt der Umsteigeknoten Schottentor, 1961 unter Bürgermeister Franz Jonas errichtet und von oben so oval wie eine Pfanne — auf Wienerisch ein Reindl. Die Stadt taufte das Bauwerk mit der ihr eigenen Ironie „Jonas Reindl“, und als Philip Feyer 2014 hier seine Rösterei-Idee eröffnete, nahm er den Spitznamen einfach mit. Das ist kein Kaffeehaus im UNESCO-Sinn. Es ist die andere Wiener Kaffeekultur: Herkunft, Röstprofil, Direktbezug — und eine Theke, an der man das erklärt bekommt.
Höhepunkte
- Der Gründungsstandort der bekanntesten Wiener Spezialitätenrösterei der letzten Jahre — hier hat 2014 alles angefangen, heute betreibt das Haus vier Adressen in der Stadt.
- Eigene Rösterei im siebten Bezirk: kleine Chargen von maximal zehn Kilogramm, für jede Bohne ein eigenes Röstprofil statt eines Einheitsprogramms.
- Direktbezug als erklärtes Prinzip — Transparenz von der Farm bis zur Tasse, faire Bezahlung der Produzenten, und ein Gründer, der die Farmen selbst besucht.
- Espresso und Filter gleichberechtigt: neben den Milchgetränken gibt es Brühkaffee und wechselnde Single Origins, darunter regelmäßig Spitzenlots aus Mittelamerika.
- Sonntags offen — in der Wiener Spezialitätenszene, die traditionell am Wochenende zusperrt, ist das ein handfester Vorteil.
- Bohnenverkauf und eigene Textilien: Man kann die Röstung mitnehmen, die einem geschmeckt hat, und das Logo gleich dazu.
- Lage direkt am Universitätsknoten — Hauptgebäude der Universität Wien, Votivkirche und Ring liegen in Sichtweite.
Was in der Tasse ist
Hier wird selbst geröstet, und das ist der entscheidende Unterschied zu fast allem in dieser Gegend. Die Röstung sitzt nicht im Lokal, sondern in einem eigenen Betrieb im siebten Bezirk, wo in kleinen Chargen gearbeitet wird — maximal zehn Kilogramm pro Durchgang. Der Grund ist nicht Nostalgie, sondern Kontrolle: Je kleiner die Charge, desto genauer lässt sich das Profil steuern, und desto reproduzierbarer schmeckt die Tasse über Monate hinweg. Das Haus formuliert das als Haltung — Handwerk vor Bequemlichkeit, Qualität vor Effizienz.
Auf der Karte steht die volle Bandbreite. Espresso als Basis, darüber die Milchgetränke, von denen der Flat White in dieser Stadt als Referenz gilt. Daneben Brühkaffee, und genau dort spielt sich das Interessante ab: wechselnde Single Origins, die im Handaufguss zubereitet werden. Gäste berichten von Losen, die man sonst nur in Verkostungsboxen findet — panamaische Geisha etwa, die in Mittelamerika zu den gesuchtesten Kaffees der Welt gehört. Wer wissen will, was die Rösterei gerade begeistert, fragt nach dem Filter des Tages statt nach dem Standardgetränk.
Der Direktbezug ist keine Marketingfloskel, sondern das Rückgrat des Sortiments. Das Haus beschreibt seine Beschaffung als Kette, bei der man sich der Herkunft jeder Bohne sicher sein will, und der Gründer reist zu den Produzenten. Praktisch heißt das: Die Karte wechselt mit der Ernte, nicht mit der Saisonwerbung, und die Bohnen, die im Regal stehen, sind dieselben, die vorne in der Mühle laufen.
Wer dahintersteht
Der Name hinter dem Betrieb ist Philip Feyer. Er hat 2014 am Schottentor angefangen, mit einem Konzept, das in Wien damals noch als Zumutung galt: ein Lokal, das nicht über Torten und Zeitungen definiert wird, sondern über Anbauhöhen, Aufbereitung und Röstkurven. Wiens Kaffeekultur ist eine der ältesten der Welt, und das ist Segen und Hindernis zugleich — wer hier eine neue Kaffeeidee einführen will, kämpft nicht gegen Gleichgültigkeit, sondern gegen zweihundert Jahre Gewohnheit.
Feyer hat das über Beschaffung gelöst statt über Design. Er kauft direkt bei den Produzenten, besucht die Farmen selbst und macht die Bedingungen entlang der Kette zum Thema — faire Bezahlung, nachhaltiger Anbau, nachvollziehbare Herkunft. Aus dem einen Lokal am Verkehrsknoten sind inzwischen vier Adressen quer durch die Stadt geworden, dazu die eigene Rösterei, die auch Gastronomie und Kunden im Ausland beliefert.
Bemerkenswert ist, wie wenig davon inszeniert wird. Es gibt keine Heldengeschichte an der Wand, keine Manifest-Tafel, kein Foto des Gründers im Regal. Was das Haus über sich erzählt, erzählt es über die Kaffeekarte — und über den Namen, der schlicht das Bauwerk gegenüber zitiert und damit augenzwinkernd klarstellt, dass sich hier jemand als Teil dieser Stadt versteht und nicht als importierte Idee.
Wofür es sich eignet
Der Kaffee im Vorbeigehen — an einem der größten Umsteigeknoten der Stadt. Das ist die stärkste Achse. Unter dem Lokal kreuzen sich U-Bahn und ein halbes Dutzend Straßenbahnlinien, darüber liegt der Ring, gegenüber das Universitätshauptgebäude. Wer hier umsteigt, hat zwischen zwei Verbindungen genau so viel Zeit, wie ein guter Kaffee braucht — und bekommt statt Automatenware eine Tasse aus einer Röstung, die ein paar Bezirke weiter entstanden ist.
Die Tasse vor der Vorlesung. Das Hauptgebäude der Universität Wien liegt auf der anderen Straßenseite, das Juridicum und mehrere Institute in Gehweite. Für Studierende und Lehrende ist das die naheliegende Adresse, und der Betrieb ist entsprechend darauf eingestellt: schnell, präzise, ohne Zeremonie.
Filter richtig verkosten und Bohnen mitnehmen. Der eigentliche Grund für Kaffeeleute. Fragen Sie nach dem Handaufguss des Tages, trinken Sie ihn im Sitzen statt im Gehen, und nehmen Sie das Paket mit, wenn es Ihnen taugt. In einem Haus mit eigener Rösterei ist das Regal keine Deko, sondern die Verlängerung der Theke.
Der Sonntagskaffee. Wien hat ein bekanntes Problem: Die Spezialitätenszene macht am Wochenende gern zu, und der Sonntag gehört den traditionellen Häusern. Dieses Lokal ist auch sonntags offen, und für alle, die ihren guten Kaffee nicht nach Wochentagen einteilen wollen, ist das ein sehr praktischer Grund.
Das kurze Treffen zu zweit. Funktioniert, aber mit Einschränkung: Der Raum ist klein und die Sitzplätze sind gezählt. Für vierzig Minuten Gespräch ist das ideal, für ein zweistündiges Meeting sollte man sich eine größere Bühne suchen.
Wofür es sich weniger eignet: der Arbeitstag am Laptop. Hohe Frequenz, wenige Plätze, ständiges Kommen und Gehen. Wer hier einen Nachmittag lang arbeiten will, blockiert genau die Plätze, wegen derer das Lokal funktioniert — und wird selbst auch nicht glücklich.
Der Raum
Klein, hell, laut auf die angenehme Art. Das Lokal ist kompakt und die Zahl der Sitzplätze überschaubar — Gäste weisen regelmäßig darauf hin, und man sollte es wissen, bevor man zu viert vorbeikommt. Die Mitte des Raums gehört der Theke, mit Maschine, Mühlen und dem Brühbereich als sichtbarem Zentrum. Dahinter das Regal mit den Röstungen und den Textilien.
Der Ton ist urban und geschäftig, nicht kontemplativ. Der Verkehrsknoten vor der Tür bringt eine Frequenz mit, die man im Raum spürt: Es wird geredet, es wird bestellt, es wird weitergezogen. Für Menschen, die eine Kaffeepause als kurzen, dichten Moment verstehen, ist das genau richtig. Wer Stille sucht, ist im falschen Lokal — dafür gibt es in Wien die Kaffeehäuser mit den Marmortischen, und die machen etwas anderes richtig.
Die ehrliche Schwäche liegt genau dort: In den Spitzenzeiten reicht die Fläche nicht für alle, die hereinkommen wollen. Nehmen Sie den Kaffee dann mit — es ist eine der wenigen Situationen, in denen ein Getränk zum Mitnehmen keine Notlösung ist, sondern das Format, für das dieser Standort gebaut wurde.
Mehr als Kaffee
Ja, aber schmal — und das ist eine bewusste Entscheidung. Es gibt Süßes zur Tasse: Tartes und Kuchen, die Gäste immer wieder namentlich loben, etwa die Birnen- und die Zitronenvariante, dazu wechselndes Gebäck. Eine Küche im Sinne eines Frühstücks- oder Mittagsangebots gibt es an diesem Standort nicht. Wer satt werden will, isst woanders und kommt danach.
Die zweite Ebene neben dem Kuchen ist der Verkauf. Röstungen im Paket, Zubehör, dazu eigene Shirts und Pullover, die inzwischen einen eigenen kleinen Kult haben. Das klingt nach Nebensache, ist aber Teil des Geschäftsmodells einer Rösterei: Das Lokal ist zugleich Schaufenster und Verkaufsstelle für das, was einige Bezirke weiter geröstet wird.
Wann kommen
Die frühen Stunden an Werktagen sind die beste Zeit für ein Gespräch an der Theke. Dann ist der Betrieb schon in Gang, aber der Universitäts- und Pendlerstrom hat noch nicht eingesetzt, und man kann in Ruhe fragen, was heute auf Filter läuft.
Ab dem Vormittag übernimmt der Knoten das Kommando. Vorlesungsbeginn, Bürobeginn, Umsteigeverkehr — der Raum ist dann durchgehend belegt und die Schlange an der Theke wächst in Wellen. Das ist keine Warnung, sondern eine Beschreibung: Wer den Ort in seiner natürlichen Betriebsart erleben will, kommt genau dann.
Das Wochenende ist ein anderes Lokal. Die Studierenden fehlen, der Pendlerdruck fällt weg, und übrig bleiben Leute, die wegen des Kaffees da sind. Der Sonntag ist dabei die Wiener Besonderheit — das Haus sperrt auf, während vieles in der Szene geschlossen hat. Die genauen Zeiten stehen im Zeitplan-Block auf dieser Seite.
Anfahrt
Einfacher geht es in Wien kaum: Der Standort liegt unmittelbar am Umsteigeknoten Schottentor, wo die U2 auf eine ganze Reihe von Straßenbahnlinien der Ringstrecke und der Achse nach Norden trifft. Wer mit den Öffis unterwegs ist, steigt praktisch vor der Tür aus.
Als Orientierung dienen drei sichtbare Gebäude: das Hauptgebäude der Universität Wien, die Votivkirche mit ihren beiden neugotischen Türmen und der Ring selbst. Vom Rathaus und vom Burgtheater ist man in wenigen Minuten zu Fuß hier, vom Sigmund-Freud-Park aus sieht man den Knoten direkt. Mit dem Auto ist die Gegend Kurzparkzone und Einbahnengewirr — die Straßenbahn ist in dieser Ecke schneller als jede Parkplatzsuche.
Gut zu wissen
Drei Hinweise für einen besseren Besuch. Erstens: Fragen Sie, was gerade auf Filter läuft. Das Sortiment rotiert mit der Ernte, und die interessantesten Lose stehen selten auf der Tafel ganz oben. Zweitens: Die Sitzplätze sind wenige. Für eine Gruppe ist das Lokal die falsche Wahl; zu zweit oder allein funktioniert es hervorragend. Drittens: Wenn Ihnen eine Röstung schmeckt, kaufen Sie sie gleich — dieselbe Charge steht ein paar Wochen später vielleicht nicht mehr im Regal.
Ein vierter Punkt zur Einordnung: Dieses Haus ist ausdrücklich kein traditionelles Wiener Kaffeehaus. Es gibt keinen Ober, keine Zeitungshalter, kein selbstverständliches Recht, drei Stunden bei einer Tasse zu sitzen, und auch das obligatorische Glas Wasser gehört nicht zur Grammatik dieses Formats. Wer das sucht, findet es zehn Gehminuten weiter im ersten Bezirk in Häusern, die genau dafür gebaut sind. Wer wissen will, wie Wien heute röstet, ist hier richtig.
Fragen und Antworten
Rösten sie ihren eigenen Kaffee?
Ja. Die Rösterei liegt im siebten Bezirk und arbeitet in kleinen Chargen von maximal zehn Kilogramm, mit eigenem Röstprofil je Bohne.
Ist das ein traditionelles Wiener Kaffeehaus?
Nein, und es will auch keines sein. Kein Ober, keine Zeitungshalter, kein stundenlanges Sitzen als Hausrecht. Es ist ein Spezialitätenkaffee-Lokal mit eigener Rösterei.
Gibt es Filterkaffee oder nur Espresso?
Beides, und der Filter wird ernst genommen: wechselnde Single Origins im Handaufguss. Fragen Sie nach dem Kaffee des Tages.
Wie viele Sitzplätze gibt es?
Wenige. Der Raum ist klein, und Gäste weisen regelmäßig darauf hin. Zu zweit klappt es fast immer, für Gruppen ist der Ort nicht gedacht.
Kann man hier essen?
Nur Süßes. Tartes, Kuchen und Gebäck zur Tasse; eine Küche mit Frühstück oder Mittagessen gibt es an diesem Standort nicht.
Kann man Bohnen mitnehmen?
Ja, der Verkauf gehört zum Konzept — dazu Zubehör und die hauseigenen Shirts und Pullover.
Ist am Sonntag offen?
Ja, und das ist in der Wiener Spezialitätenszene ein Alleinstellungsmerkmal. Die aktuellen Zeiten stehen im Zeitplan-Block auf dieser Seite.
Eignet sich das Lokal zum Arbeiten?
Für eine kurze Sitzung ja, für einen Arbeitstag nein. Hohe Frequenz, wenige Plätze, ständiger Wechsel.
Woher kommt der Name?
Vom Verkehrsbauwerk gegenüber: Der 1961 unter Bürgermeister Franz Jonas errichtete Knoten Schottentor ähnelt von oben einer Pfanne — einem Reindl. Die Wiener nannten ihn deshalb spöttisch „Jonas Reindl“, und das Café hat den Spitznamen übernommen.
Gibt es weitere Filialen?
Ja, insgesamt vier Adressen in Wien; an einer davon steht auch die Rösterei.
Öffnungszeiten
| Tag | Zeiten |
|---|---|
| Montag | 08:00–17:00 |
| Dienstag | 08:00–17:00 |
| Mittwoch | 08:00–17:00 |
| Donnerstag | 08:00–17:00 |
| Freitag | 08:00–17:00 |
| Samstag | 09:00–17:00 |
| Sonntag | 09:00–17:00 |
Fotos





Gästebewertungen
Bewertungen zuletzt aktualisiert: 2026-08-10 15:37:59
Die Daten werden monatlich aktualisiert. Quellen: viennaka.eu sowie redaktionelle Auswahl anhand von Bewertungen.
Гарна фільтрована кава від місцевого обсмажувача.
Нам дуже сподобалася кава ручної роботи від гейші з Панами. У закладі багатолюдно, і панує неймовірна атмосфера.
Торгівля тут дуже якісна. Мені подобаються футболки та…
Дуже смачна кава.
Українці оцінять!)
Віденську каву слід спробувати тут
Високі ціни! Але смачна кава та лимонний тарт! Прикольна атмосфера.