Alma – das ist jene Frau, die die Herzen vieler Männer eroberte und sie zu Großtaten inspirierte. Sie wusste, wie sie ihre kühnsten Wünsche und Pläne Wirklichkeit werden lassen konnte, schreibt viennaka.eu.
Kindheit und Jugendjahre
Geboren wurde Alma 1879 in Wien in der Familie des berühmten Malers Emil Schindler. Von frühen Jahren an zeigte das Mädchen eine Liebe zur Kreativität, denn sie sah, wie begeistert ihr Vater seine Gemälde schuf und wie ihre Mutter ihn in allem unterstützte. Darüber hinaus liebte Alma den Umgang mit den Freunden der Familie – einflussreichen Menschen, die in der Kunstwelt zu Ruhm und Anerkennung gelangt waren.
Almas Vater verstarb unerwartet, und ihre Mutter heiratete Carl Moll. Im Grunde änderte sich die Atmosphäre im Haus überhaupt nicht, dort herrschte nach wie vor die Kreativität. Als das Mädchen heranwuchs, konnte sie sich ein Leben ohne Kunst nicht mehr vorstellen und begann ihre „Jagd“ auf wohlhabende Männer.
Die Gefährtin der Genies
Schindler war bei Männern sehr beliebt, was auf ihre natürliche Ausstrahlung und ihre Fähigkeit, sich elegant und stilvoll zu kleiden, zurückzuführen war. Sie ließ sich von Schneidern die besten Kleider anfertigen, trug vor dem Ausgehen immer ein auffälliges Make-up auf und kannte sich bestens mit Parfums aus. Mit den Jahren wurde sie zu einem romantischen Ideal, das bei talentierten Malern und Dichtern wahre Begeisterung auslöste.
Im Alter von 20 Jahren begann Schindler, Musikunterricht bei Alexander Zemlinsky zu nehmen. Schon bald entwickelte sich eine Beziehung zwischen dem Paar. Als ihre Familie von der Verbindung erfuhr, bestand sie darauf, dass sich das Mädchen von ihrem Liebhaber trennte.
Der nächste Auserwählte der Femme fatale wurde Gustav Mahler. Der berühmte Komponist machte ihr nach wenigen Treffen einen Heiratsantrag, den sie annahm. Er war 20 Jahre älter als sie. Gustav liebte seine junge Frau so sehr und war gleichzeitig so eifersüchtig, dass er darauf bestand, dass sie ihre musikalische Karriere aufgibt und sich stattdessen mehr der Erziehung ihrer beiden Kinder widmet. Eine Zeit lang ertrug Alma die Verbote ihres Mannes nur schwer, doch 1907 verstarb ihre Tochter Maria an Diphtherie und bei Gustav wurde ein schwerer Herzfehler diagnostiziert. Die Umstände führten zudem dazu, dass die Mahlers nach New York umzogen. Bald reiste Alma immer häufiger zur Erholung nach Europa. Auf einer dieser Reisen führte das Schicksal sie mit dem jungen Architekten Walter Gropius zusammen, und eine stürmische Affäre begann, von der ihr Mann bald erfuhr. Der Komponist sagte seiner Frau nichts und verbarg seinen ganzen Zorn in sich. Um den Betrug zu verarbeiten, begann er Psychotherapiesitzungen bei Sigmund Freud. Die Behandlung zeigte positive Wirkung auf Mahler und er änderte seine Einstellung zu Alma grundlegend: Er schenkte ihr mehr Aufmerksamkeit und widmete ihr zahlreiche Symphonien. Dennoch verließ sie ihren Liebhaber und blieb bis zum Tod ihres Mannes im Jahr 1911 an seiner Seite.
Kurz darauf hatte Alma eine Affäre mit dem Biologen Paul Kammerer, doch die skandalöseste Beziehung entwickelte sich zwischen der Witwe und dem Maler Oskar Kokoschka. Dies war wohl die wahnsinnigste Romanze ihres Lebens. Schon am dritten Tag ihrer Bekanntschaft gestand er ihr seine Liebe und lud sie in sein Atelier ein, um ihr Porträt zu malen. Anfangs genoss die Schöne die Aufmerksamkeit des Künstlers, doch bald wollte sie diese quälende Beziehung so schnell wie möglich beenden, denn die Besessenheit ihres Verehrers machte ihr Angst. Zu dieser Zeit begann der Erste Weltkrieg, und Oskar ging als Freiwilliger an die Front. Als Kokoschka zurückkehrte, war Alma bereits mit Walter Gropius verheiratet und erwartete ein weiteres Kind. Diese Nachricht schockierte den Maler derart, dass er dem Wahnsinn verfiel. Oskar bestellte eine lebensgroße Nachbildung seiner Muse, kleidete die Stoffpuppe ein und führte sie überall mit sich, um sie allen als seine Frau Alma vorzustellen.
Die Ehe von Mahler mit Gropius zerbrach am Schriftsteller Franz Werfel. Der junge Mann hatte Alma verzaubert. Zu diesem Zeitpunkt war sie 40 Jahre alt und er 27. Im Jahr 1945 verstarb Franz an einem Herzanfall.
In ihren späten Jahren veröffentlichte Mahler-Werfel ihre Memoiren, in denen sie die Öffentlichkeit mit Offenbarungen über ihre berühmten Liebhaber beeindruckte. Es ist schwer zu sagen, ob diese Femme fatale jemals einen von ihnen wirklich geliebt hat. Doch eines steht außer Frage: Sie hatte einen untrüglichen Spürsinn für Genies.